Orgelwoche

Internationale Waldviertler Orgelwoche Heidenreichstein

Apokalyptical — Eindrücke von Peter Böhm

24. August 2012 (Ganztägig)

Und ich sage euch (Johannes) – Einmalig (Elisabeth Fischer)

Elisabeth Fischer drückte es nach dem tosenden Schlussapplaus treffend aus: In dieser Veranstaltung, genau 4 Monate vor dem im Mayakalender vorhergesagten Weltuntergang, kam das Thema in einer bemerkenswerten Form zur Sprache. Was in einem Seminar (heute wird ja alles in Seminaren aufgearbeitet) so scheinbar harmlos und unterhaltsam beginnt, steigert sich zu einer Eindringlichkeit, die einen schaudern lässt. In einem präzise formulierten Text, von den Schauspielern souverän vermittelt, entwickelt sich die Weltuntergangsparty (können wir noch etwas ernst nehmen?) dramatisch zu den Prophezeiungen des Johannes hin.

Jeder Satz sitzt, vieles kommt dem Publikum vertraut vor (Medien), eindringliche Bildprojektionen unterstreichen und verweisen auf aktuelle Ereignisse (der Weltuntergang findet täglich im Fernsehen statt). In dieses Konzept fügt sich die gewaltige Musik der beiden Orgeln und des Saxofons einmal harmonisch und dann wieder aufrüttelnd ein, schafft Pausen zum Nachdenken und Verarbeiten des Gehörten. So gelang es, dem Publikum das Gefühl „live in der Apokalypse zu sein“ zu geben und eine schaurig-schöne Atmosphäre zu schaffen. Das Bühnenbild strotzte vor seltsamen (oft aus der Esoterik stammenden) Requisiten, deren Sinn bei näherer Betrachtung deutlich und stimmig wurde.

Der rachsüchtige Gott mit seinen zerstörerischen Engeln konnte wirklich Angst erzeugen, aber die Hoffnung auf eine bessere Welt beruhigte wieder etwas. „Wir brauchen den Glauben an die Zukunft“. Wenn der Chor  im „Wir sind schuldig. Wir werden bestraft“ für uns alle sprach, lief es kalt über den Rücken. Die musikalischen Blitzlichter des hervorragenden Organisten auf der Rieger-Orgel unterstrichen die eindringlichen Zitate der einzelnen Rollen, die die Gesellschaft spiegelten. Manches ließ auch schmunzeln (Kirchenlied und Donauwalzer). Die 15-minütige Pause, die alle Akteure brauchten, zerriss ein wenig den dramaturgischen Ablauf, mancher Besucher blieb beeindruckt in seiner Bank sitzen.

APOCALYPTICAL muss mächtig viel Arbeit gewesen sein und hätte auf einer Österreich-Tournee sicher Erfolg. Ich gratuliere den Autoren und Ausführenden! Wieder einmal ein echter Höhepunkt der Orgelwoche (es ist ja die 20.).

von Peter Böhm